Braids lange oder mittellange, geflochtene Zöpfe und Frisuren
Der Begriff Braids ist dem Englischen entlehnt. Dort bedeutet er in Verbform „flechten“. Im Frisurenkontext hat „Braids“ allerdings eine stark ethnische Konnotation. In aller Regel sind damit bisweilen komplexe und geometrische Flechtfrisuren gemeint, die dann über die Längen in geflochtenen, dünnen Zöpfen münden.
Kunstvolle Flechtfrisuren im Stil von Braids waren schon früh in vielen Kulturen und Stämmen der Welt verbreitet – das älteste Zeugnis dieses Haarstylings legt die weltberühmte Venus von Willendorf ab, die auf 30.000 Jahre datiert wird. Aus der Bronze- und Eisenzeit gibt es Belege über Braids im nahen Osten, Kleinasien, Kaukasus, dem Östlichen Mittelmeerraum und Nordafrika. Dort waren vor allem die Sumerer, Elamiten und antiken Ägypter berühmte Flechtfrisurenkünstler.
In manchen Regionen waren die Braids sogar ein Kommunikationsmittel, das etwa die Standeszugehörigkeit, den Familienstand, die Geschlechtsreife bzw. die Heiratsfähigkeit und den Wohlstand eines Menschen verriet. Braids dienten also der gesellschaftlichen Zuordnung. Manche Flechtmuster waren bestimmten Gesellschaftsschichten, Geschlechtern oder Stämmen und sogar Nationen vorbehalten. Afrikanische Volksgruppen wie die Himba aus Namibia flechten ihre Haare schon seit Jahrhunderten auf ganz eigene Art und Weise zu Braids. Über die Sklavenhändler hielt die traditionelle Flechtkunst bald Einzug in anderen Ländern und Nationen, war jedoch immer auch Zeichen einer Gemeinschaftszugehörigkeit von Minderheiten. Über Mode, Subkulturen und politische Bewegungen hielt der Haarstil langsam aber sicher Alltag in die gesamte westliche Pop- und Leitkultur, wodurch viel ihrer ursprünglichen Bedeutung verloren ging.
Heute können Braids – zumindest in den westlichen Industrienationen – als modische Frisur betrachtet werden. Doch zum kunstvollen Flechten speziell von Afrohaar und besonders aufwändigen Mustern braucht man nach wie vor jede Menge Geschick. Bei dünnem, glattem Haar ist das Flechtergebnis außerdem nicht nur nicht so langlebig, wie bei dichtem, krausem Haar, sondern auch optisch nur bedingt ästhetisch. Das enge Flechten der langen Zöpfe oder auch am Kopf entlang sorgt bei dünnem Haar dafür, dass auch die Zöpfe entsprechend eng und die Abstände zwischen ihnen entsprechend groß werden. Meist kommen bei Braids aber sowieso Kunsthaarsträhnen zum Einsatz.
Braids können zu unterschiedlichen Frisuren gestylt werden und sind an und für sich eigentlich auch pflegeleicht, wenn man ein paar Dinge beachtet. Immer wieder werden die geflochtenen Zöpfe auch als Rastazöpfe oder Rastalocken bezeichnet. Diese heißen korrekter Weise aber Dreadlocks oder Dreads und werden auch anders frisiert.